PiraT-Workshop

„Piraterie und maritimer Terrorismus: Betroffenheit wirtschaftlicher Akteure

 

 

Am 6. Juli 2011 fand im DIW Berlin der Workshop „Piraterie und maritimer Terrorismus: Betroffenheit wirtschaftlicher Akteure“ im Rahmen des PiraT Projekts statt. An dem Workshop nahmen neben den Mitgliedern der Verbundpartner Akteure aus verschiedenen Bereichen der maritimen Wirtschaft teil, darunter Vertreter von Reedereien, des Verbands Deutscher Reeder (VDR), des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg), des Bundeskriminalamtes (BKA), der Bundespolizei sowie des Verbands Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere (VDKS).  

Die Ergebnisse der von den Verbundpartnern des PiraT Projekts gemeinsam durchgeführten Befragung von deutschen Reedern und Versicherern zu Piraterie und maritimem Terrorismus wurden in einem erste Panel präsentiert. Das Risiko von Piraterie wird von den Befragten höher eingeschätzt  als das Risiko von maritimem Terrorismus. Die Anzahl sowie die Schadenshöhe von Piraterieangriffen haben vor allem im Jahr 2010 stark zugenommen. Aus Sicht der befragten Reeder wird sich die Gefährdung von Piraterie weiter verschärfen. In der Umfrage wurden auch die mangelnde Rechtssicherheit und das fehlende politische Bekenntnis zur Bekämpfung von Piraterie bemängelt. Die Befragten sprachen sich bei konkreten Maßnahmen für den bewaffneten Begleitschutz an Bord von Schiffen aus. Der hoheitliche Schutz an Bord der Schiffe bzw. private, bewaffnete Sicherheitsdienste wurden auch in der anschließenden Diskussion von Teilnehmern des Workshops als Maßnahmen gefordert. Dabei wurde das Problem der  Eskalation der Gewalt diskutiert.

Im zweiten Panel stellte Herr Dr. Jürgen Hahn (Stichling Hahn Hilbrich Dispacheure) in seinem Vortrag „Piraterie in der heutigen Welt“ die rechtliche Lage und insbesondere die Abwicklung der Havarie Grosse vor. Auch schilderte Herr Hahn seine Erfahrungen langwieriger Lösegeldverhandlungen und erläuterte insbesondere die Kommunikationsprobleme, die während dieser Verhandlungen mit den Piraten auftreten. Nachfolgend wurde über die Effektivität internationaler Organisationen und staatliche Möglichkeiten hinsichtlich des Schutzes vor Piraterie diskutiert. Dabei wurde vor allem auf die Herausforderungen aufgrund der zu überwachenden Gebietsgröße eingegangen. Nach den Ausführungen von Herrn Müller (BMVg) wurde deutlich, dass ein Gebiet mit der Größe des indischen Ozeans nicht vollständig überwacht und militärisch geschützt werden könne und ein Schutz an Bord der Handelsschiffe unabdingbar sei.

Auf der anschließenden Podiumsdiskussion mit Herrn Hahn (Stichling Hahn Hilbrich Dispacheure), Herrn Roland Höger (Komrowski Shipping), Dr. Jan-Thiess Heitmann (VDR) und Wilhelm Mertens (VDKS) wurde zu Beginn auf die ökonomische Auswirkungen von Piraterie für Reedereien eingegangen. Herr Höger (Komrowski Shipping) erläuterte, dass die durch Piraterie zusätzlich entstehenden Kosten zur Gefahrenabwehr zwar relevant seien, aber aus seiner Sicht momentan noch durch die meisten Reedereien gedeckt werden können. Allerdings stellten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion klar, dass derzeit  humanitären Probleme im Vordergrund stehen. Insbesondere die Lage der entführten Mannschaften sei nicht tragbar. Aufgrund der langen Verhandlungsdauer ist die psychische Belastung der Geiseln sowie ihrer Familienangehöriger extrem hoch.

Herr Lange vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft leitete mit seinem Vortrag „Piraterie & maritimer Terrorismus – Auswirkungen auf die deutsche Versicherungswirtschaft “ das dritte Panel des Workshops ein. Er erläuterte zunächst die Grundzüge der maritimen Transportversicherung und wies dann darauf hin, dass die Auswirkungen von Piraterie auf die Versicherungswirtschaft bislang tragbar seien. Allerdings bestehe die Gefahr, dass im Falle eines Großschadens höhere Versicherungszahlungen zu leisten wären. In der Diskussion wurde u.a. angesprochen, dass Versicherungsnehmer bei Schadensfällen bis zur Übernahme durch die Versicherung vorübergehend mit Liquiditätsengpässen konfrontiert sein könnten.

Aus Sicht der Teilnehmer des Workshops ist Piraterie eine deutliche Belastung für die maritime Wirtschaft. Ihre Bekämpfung setzt eine Klärung der Rechtslage voraus und erfordert ein koordiniertes Vorgehen.

Nach erfolgreichem Login (rechts) finden Sie hier Materialien zum Workshop.

 

 

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